Von kleineren und größeren Gesundheitsproblemen ließ Konrad Beikircher sich bis zuletzt kaum ausbremsen – sein „Grundlebensgefühl“ blieb heiter.
Kölsche Redens- und LebensartKabarettist Konrad Beikircher im Alter von 80 Jahren gestorben

Kabarettist Konrad Beikircher starb im Alter von 80 Jahren. Das Foto zeigt ihn bei einem Interview 2021 im Neven DuMont Haus.
Copyright: Csaba Peter Rakoczy
Seine erste Erinnerung, das erzählte Konrad Beikircher einmal, hing mit Weihnachten zusammen. „Ich war zwei Jahre alt und habe die Kaki-Frucht geliebt. Meine Eltern haben mir dann einen mit Kakis beladenen Holz-LKW geschenkt, das war traumhaft.“
Ob diese Frucht ein Favorit des Kabarettisten blieb, ist unbekannt. Bekannt machte ihn selbst indes jene Vorliebe für bisweilen skurrile Details, die, scheinbar „aus der Lameng“ verknüpft, so kenntnisreiche wie unterhaltsame Panoramen entfalteten. Mitten im Sommer, am Dienstag, ist er nun mit 80 Jahren gestorben, wie seine Agentur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch bestätigte.
Geboren am 22. Dezember 1945 in Südtirol, ging Beikircher zunächst zum Studium nach Wien. Da er sich dort aber, wie er rückblickend bekennt, zu sehr ablenken ließ, wechselte er ein Jahr später nach Bonn. In der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens studierte er Musikwissenschaften, Psychologie und Philosophie.
Von der Seelsorge auf die Bühne
Bevor er öffentlich bekannt wurde, arbeitete Beikircher 15 Jahre lang als Gefängnispsychologe – eine prägende Zeit, sagte er Jahrzehnte später. „Ich hatte nie das Problem, mich als etwas Besseres zu empfinden.“ Gespräche mit Mördern oder Sexualstraftätern hätten ihm jedoch eigene Abgründe vor Augen geführt. „Nur, wenn man sich diesen Abgründen stellt, kann man sinnvoll mit ihnen umgehen.“
Und so hatte er stets – auch in Interviews, die ihn zum Fabulieren ebenso einluden wie zu ehrlichem Interesse am Gegenüber – einen Rat parat. Etwa den, dass man sich in Krisen wie der Corona-Zeit nicht in einen möglichen Blues hineinfallen lassen sollte. „Es ist immer noch besser, über ein schnödes IT-Instrument mit jemandem zu sprechen, als nichts zu tun und sentimental zu werden.“ So brachte er damals das Programm „Kirche, Pest und neue Seuchen“ auf die Bühne des – leeren – Kölner „Senftöpfchen“-Theaters.
Musik und Glaube als Grundpfeiler
Seit 1986 war Beikircher als freiberuflicher Musiker, Buchautor und Kabarettist tätig – und wurde zu einer Art inoffiziellem Botschafter der Kölschen Redens- und Lebensart. Seine „Rheinische Trilogie“ umfasst allerdings mehr als drei Teile: Zwischen 1991 und 2011 entstanden ganze elf Bühnenprogramme. Als Moderator und Autor mehrerer Konzert- und Opernführer machte er sich zudem einen durchaus „seriösen“ Namen in den Musikwissenschaften.
Darüber hinaus setzte Beikircher sich immer wieder mit der Kirche auseinander. Er sei zwei Mal aus der katholischen Kirche ausgetreten – „und ich bin gläubiger denn je zuvor“, wie er sofort ergänzte.
1979 trat er aus, nachdem seine erste Ehefrau sich das Leben genommen hatte und nicht auf einem kirchlichen Friedhof bestattet werden durfte. Auch das zweite Mal geschah der Schritt aus Ärger – über den damaligen Kölner Kardinal Joachim Meisner, der sich 2007 gegen eine Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten ausgesprochen hatte. „Es kann doch nicht sein, dass manches, was eine Glaubensgemeinschaft anders interpretiert, wichtiger ist als der gemeinsame Glaube an Gott“, schimpfte Beikircher.
Verfrühter Abschied im laufenden Programm
„Das Wichtigste in meinem persönlichen Glaubenssystem ist die Bergpredigt“, sagte der Kabarettist der KNA einmal. „Der versuche ich, im Alltag einigermaßen zu entsprechen – das ist schwer genug. Ich versuche, Menschen mit Nächstenliebe zu begegnen, auch wenn ich damit oft auf die Nase falle oder dafür belächelt werde.“
Ohne Religion werde es in der Gesellschaft kälter, warnte er – ganz ohne Augenzwinkern. Dass der Glaube verschwinde, befürchte er nicht. „Aber die Institution hat sich weit von der ursprünglichen Idee entfernt, Menschen für das Leben zu stärken und auf das Leben nach dem Tod vorzubereiten.“
Sein letztes Programm – „Arrivederci“ – sollte „einmal noch in die Runde gucken, was es denn alles gegeben hat“, so die Ankündigung. Er empfinde durchaus Wehmut, könne aber gerade auf das Zugfahren zu Auftritten gern verzichten, sagte Beikircher der KNA in einem seiner letzten Interviews zu seinem 80. Geburtstag. Und irgendwann, „Herrgottnochmal“, müsse „ja mal Schluss sein“. So ganz konnte man das bei diesem Künstler kaum glauben – bis jetzt. (kna)