Die Ukraine meldet erfolgreiche Angriffe auf Ziele tief in Russland. Dort lassen sich die Auswirkungen der Attacken nicht mehr verbergen.
Wildberries, Raffinerie, RadarUkraine schlägt erneut zu – Wut, Krise und „Apokalypse“ in Russland

Ein Screenshot aus einem Video soll einen Großbrand in einer Wildberries-Lagerhalle in Rjasan zeigen.
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Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffsserie auf Ziele in Russland fortgesetzt. Bei nächtlichen Angriffen wurde nach übereinstimmenden Medienberichten erneut ein Standort des russischen Versandhändlers Wildberries ins Visier genommen – dieses Mal in der Stadt Rjasan.
In den sozialen Netzwerken kursierten am Mittwoch entsprechende Aufnahmen – eine brennende Lagerhalle und dichte Rauchsäulen sind dort zu sehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte Angriffe auf mehrere „Einrichtungen, die dazu dienen, den Krieg zu unterstützen und zu verlängern“.
Ukraine nimmt Wildberries ins Visier
Auch der Gouverneur der Region südöstlich von Moskau, Pawel Malkow, bestätigte einen Massenangriff mit Drohnen. In „Industriebetrieben“ seien Brände durch Drohnentrümmer verursacht worden, teilte Malkow in sozialen Netzwerken mit, ohne die betroffenen Unternehmen zu benennen. Wildberries teilte mit, dass der Standort in Rjasan evakuiert worden sei und keine Warenlieferungen mehr angenommen würden, ohne einen Grund für die Maßnahmen zu nennen.
Seit Anfang Juli attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses Wildberries. Mindestens sieben Lagerhallen wurden in den vergangenen Tagen beschädigt oder zerstört. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe verursachen Milliardenschäden. Ein Ziel dürfte aber auch sein, Unruhe in der städtischen russischen Mittelschicht zu schüren, die häufig Waren bei dem als „Russlands Amazon“ bekannten Unternehmen online bestellt.
Der Kreml hat nach einem Bericht des britischen „Guardian“ angesichts der Angriffe mittlerweile eingeräumt, dass der Online-Händler in wirtschaftliche Schieflage geraten ist und möglicherweise staatliche Unterstützung benötigt, um den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Ukraine greift „eine der größten“ Ölraffinerien an
Der ukrainische Generalstab berichtete unterdessen über weitere Angriffe in der Nacht auf Mittwoch (29. Juli). Auch die Ölraffinerie in Rjasan sei mit Drohnen angegriffen und getroffen worden, hieß es aus Kyjiw. Auf dem Gelände der Raffinerie sei in der Folge ein Brand ausgebrochen – entsprechende Aufnahmen kursierten ebenfalls in den sozialen Netzwerken. Mitunter war dort von „apokalyptischen Szenen“ die Rede. Unabhängig überprüfen lassen sie sich derzeit jedoch nicht.
Die Ölraffinerie in Rjasan sei „eine der größten“ Russlands, betonte der ukrainische Generalstab derweil. „Die Kapazität der Anlage beträgt etwa 17 Millionen Tonnen Öl pro Jahr.“ Mit dem Angriff werde das „militärisch-wirtschaftliche Potenzial des russischen Aggressors“ weiter geschwächt, hieß es weiter aus Kyjiw.
Ukraine: Auch Radarstation und Schwarzmeerflotte angegriffen
Bei der jüngsten Angriffswelle seien zudem ein Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf der von Russland illegal besetzten ukrainischen Halbinsel Krim und eine Radarstation in der Region Brjansk angegriffen worden. Über die Auswirkungen dieser Angriffe machte der Generalstab keine Angaben.

Immer wieder steigen nach ukrainischen Angriffen enorme Rauchsäulen über russischen Städten auf – hier in St. Petersburg am 24. Juli.
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Schon seit Monaten läuft die ukrainische Angriffsserie auf russische Raffinerien. Sie soll Treibstoff im gegnerischen Land verknappen und verhindern, dass Russland mit dem Export von Öl und Ölprodukten Geld für den Krieg verdient. Auch die Raffinerie von Rjasan, eine der größten des Landes, wurde schon mehrmals angegriffen.
Ukrainische Angriffe sorgen für Frust und Kritik am Kreml
Die russische Wirtschaft zu schwächen, ist jedoch nur eines der ukrainischen Anliegen hinter den fortwährenden Angriffen. Präsident Selenskyj hatte in der Vergangenheit stets betont, den Krieg nach Russland tragen zu wollen. Nun lassen sich die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe in Russland kaum noch verbergen – Treibstoff ist in einigen Regionen des Landes weiterhin Mangelware.
Zuletzt war deshalb ungewöhnlich offene und deutliche Kritik am Kreml laut geworden – sowohl einige russische Kriegsblogger als auch Bürgerinnen und Bürger äußerten sich wütend und frustriert angesichts der ukrainischen Angriffe. Sogar im kremltreuen Staatsfernsehen war die Verunsicherung in Russland zuletzt Thema.
Auch nach den Angriffen auf das Wildberries-Logistikzentrum und die Raffinerie in Rjasan kursierten in russischen Telegram-Kanälen wieder wütende Wortmeldungen. „Heilige Scheiße“, hört man dort etwa einen Mann sagen, während im Hintergrund Explosionen zu hören sind. „Das ist schon der zehnte Einschlag – es gibt keine verdammte Luftverteidigung hier“, beklagt die Person in dem vom Telegram-Kanal Exilenova+ veröffentlichten Video, während Drohnen am Himmel zu sehen sind. (mit dpa)
