Verheerende Waldbrände in Frankreich und Spanien: „Lohmar hilft“ sammelt bereits Spenden, wartet mit Transporten aber auf sichere Einsatzbedingungen.
Humanitäre- und Tierhilfe„Lohmar hilft“ sammelt Hilfsgüter für Waldbrandgebiete in Südeuropa

Feuerwehrleute spritzen bei einem Waldbrand in der Nähe der Stadt Lege-Cap-Feret im Südwesten Frankreichs Wasser.
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Waldbrände haben in Frankreich und Spanien seit vergangener Woche verheerende Schäden angerichtet. Mehrere Feuer haben sich im südwestlichen Frankreich innerhalb weniger Tage durch Trockenheit, starken Wind und hohe Temperaturen massiv ausgebreitet. In Spanien brennt es vor allem westlich von Madrid, die Regierung rief für die betroffenen Regionen den Notstand aus.
Hunderttausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, es gibt Berichte über Verletzte und zwei Todesopfer unter den Einsatzkräften. Auch zahlreiche Wild-, Nutz- und Haustiere litten oder starben durch die Flammen. Die Ehrenamtlichen des Vereins „Lohmar hilft“ sammeln bereits Spendengüter, um möglichst bald einen Hilfstransport nach Frankreich oder Spanien zu schicken. Die Planung ist jedoch alles andere als einfach.
Manu Gardeweg: Hilfsgütertransporte wären aktuell nicht sinnvoll, sondern potenziell gefährlich
„Wir haben sowohl in Frankreich als auch in Spanien eine absolute Chaos-Situation, die jetzt durch die Temperaturen, die noch ansteigen werden, nicht unbedingt für Planbarkeit sorgt“, sagt Manu Gardeweg vom Verein „Lohmar hilft“. „Im Augenblick wäre jedwede Form des Transportes von Hilfsgütern noch völliger Blödsinn.“ Neue Brände können mit der neuen Hitzewelle jederzeit entstehen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Transporte mit Hilfsgütern die Löscheinheiten vor Ort behinderten, so Gardeweg.
In beiden Ländern lägen den Ehrenamtlichen aktuell kaum Informationen dazu vor, wohin man mit Hilfstransporten kommen könne und wo es Lagerkapazitäten gebe, und das werde sich in den kommenden Tagen vermutlich nicht ändern. „Die Leute vor Ort haben tausend andere Dinge im Kopf, als sich gerade um Spenden aus dem Ausland zu kümmern“, vermutet Gardeweg.

Manu Gardeweg vom Verein "Lohmar hilft" sammelt Sachspenden für den ersten Hilfstransport (Archivfoto).
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Aus Frankreich und Spanien habe sie zahlreiche Videos geschickt bekommen: „Zum Beispiel von einer Familie in Frankreich, die aufgefordert wurde, einen Campingplatz zu verlassen; innerhalb von acht Minuten war da dann 'ne Feuerwand, die ein ganzes Dorf verschlingen könnte.“ Ihr sei außerdem von Bekannten berichtet worden, dass Familien und Ehepaare durch mehrfache Evakuierungen voneinander getrennt worden seien und teilweise den Kontakt zueinander verloren hätten: „Das ist schon echt gruselig.“
Unkoordinierte Hilfe und blinder Aktionismus wären fahrlässig, beteuert Gardeweg: „Solange wir noch keine klare Situation haben, kann ich auch Ehrenamtler nur ausbremsen, die hinfahren und helfen wollen.“ Um zum richtigen Zeitpunkt schnell bereit zu sein, gehe es jetzt um das effektive Sammeln von Sach- und Geldspenden. Dabei arbeitet „Lohmar hilft“ mit dem Verein „Fortuna hilft“ zusammen, der unter anderem die Transportkosten organisiert.
Hilfe für verletzte Haus- und Nutztiere: Medikamente, Futter, Transportkisten
Für die humanitäre Hilfe sammeln die Hilfsorganisationen unter anderem Materialien zur medizinischen Erstversorgung, Hygiene und Verpflegung, außerdem Kleidung, Zelte, Isomatten und Schlafsäcke sowie Materialien für Reinigung und Wiederaufbau. Was genau wofür benötigt wird, führt „Lohmar hilft“ auf seiner Webseite auf. Bevor sie Transporte mit humanitären Hilfsgütern an den Start bringen könne, warte sie noch auf Informationen des lokalen Katastrophenschutzes in beiden Ländern, sagt Manu Gardeweg.
Bei Hilfsgütern für Tiere sei die Organisation schon etwas weiter: In Spanien könne die lokale Verteilung von Futter und Medikamenten über die Tierärztekammer koordiniert werden, in Frankreich stehe „Lohmar hilft“ mit mehreren Tierschutzorganisationen im Kontakt. „Tiere landen mit schlimmsten Verbrennungen bei Tierärzten, und auch Tierheime sind teilweise abgebrannt oder mussten evakuiert werden“, berichtet Manu Gardeweg. Unter anderem werden zahlreiche Medikamente und Pflegemittel, Futter und Ausstattungsmaterialien wie Zäune, Tränken und Fliegendecken für Pferde und Nutztiere benötigt.
Spätestens, wenn wir den ersten Transporter voll haben, machen wir uns dann auf die Socken
Der Spendenaufruf startete am Sonntag, zahlreiche Spenden seien schon angekündigt worden, berichtet Manu Gardeweg. Mit „Fortuna hilft“ plane ihr Team, woher man beispielsweise Tierfutter und Medikamente beziehen könne. „Spätestens, wenn wir den ersten Transporter voll haben, machen wir uns dann auf die Socken; ob nach Frankreich oder Spanien, müssen wir dann schauen. Je nachdem wo wir verlässliche Anlaufstellen haben, die die Spenden dahin bringen, wo sie gebraucht werden.“
Tierheime in Rhein-Sieg prüfen Aufnahmekapazitäten
Das, was möglich ist, wolle man auch mit Spendengeld vor Ort kaufen; in Spanien beispielsweise gebe es jedoch enorme Engpässe beim Tierfutter, da Heuvorräte ebenfalls durch die Flammen zerstört worden seien. „Und dann ist Heu natürlich schwer transportierbar, da müssen wir andere Lösungen finden, beispielsweise mit Pferdefutter.“
Für kleinere Haustiere wie Hunde oder Katzen würden außerdem Transportboxen benötigt, um sie in sichere Zonen zu verfrachten. Lohmar hilft sei diesbezüglich mit Tierheimen aus der Region im Kontakt, die Aufnahmekapazitäten werden geprüft. Die verletzten Tiere müssten in diesem Fall erst einmal in Quarantäne: „Das ist ein Riesenaufwand. Die ganzen Impfpässe sind ja auch verbrannt, und du kannst diese Tiere ja nicht einfach irgendwo hinbringen.“
Sachspenden können im Troisdorfer Lager, Mülheimer Straße 26, Tor 3, Halle 152 abgegeben oder dorthin versendet werden. Ehrenamtliche sind dort dienstags und donnerstags von 10 bis 18 Uhr sowie montags, mittwochs und freitags von 10 bis 15 Uhr anzutreffen. Die Kontoverbindung für Geldspenden ist ebenfalls auf der Webseite von Lohmar hilft zu finden.
